Gesundheitsthemen

Pflanzenauszüge

Es wird angenommen, dass Komplettauszüge wegen der sich ergänzenden oder „abrundenden“ Wirkung der einzelnen Bestandteile teilweise andere Wirkungen entfalten als die in der modernen Phytotherapie verwendeten Einzelauszüge. Auch toxische (giftige) Effekte werden durch die Wirkung der gesamten Pflanze möglicherweise ausgeglichen. Dennoch können auch Heilkräuter unerwünschte, teils sogar toxische Wirkungen haben.

  • Deshalb dürfen manche Heilkräuter wie Huflattich oder Pestwurz nur zeitlich beschränkt angewendet werden.
  • Andere Heilkräuter wie etwa Beinwell dürfen vorsichtshalber nur äußerlich verwendet werden (die im Beinwell enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide schädigen in hohen Dosen die Leber und sind möglicherweise krebsbegünstigend).
  • In der Schwangerschaft ist besondere Vorsicht geboten – verboten sind z. B. Teufelskralle und Besenginster.
  • Schließlich lösen auch Heilpflanzen bei entsprechend empfänglichen Menschen allergische Reaktionen aus.

Vor der Anwendung traditioneller Heilpflanzen sollte immer ein Arzt oder Apotheker um Rat gefragt werden. Das gilt insbesondere für importierte Kräuterzubereitungen, mit denen hierzulande nur wenig Erfahrung besteht.

Vor Rückständen an Schwermetallen oder Pestiziden auf Heilkräutern wird immer wieder gewarnt, und wegen der unkontrollierten Anbaubedingungen sind besonders Importe aus China nicht selten belastet – zum Teil sogar mit synthetischen Arzneimitteln wie etwa Kortison. Die in hiesigen Apotheken und Reformhäusern angebotenen Heilkräuter gelten aber als sicher, ihre Anbaubedingungen sind meist zertifiziert und lassen sich so vom Verbraucher überprüfen. Die in Apotheken verkauften Heilkräuter entsprechen zudem den Reinheitsgeboten und Gehaltsvorschriften des Deutschen Arzneibuchs.

Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014).

Biofeedback kann die Häufigkeit von Migräne-Anfällen reduzieren.

Biofeedback gegen Migräne

Den Schmerz kontrollieren lernen

Biofeedback kann beginnende Migräne-Attacken verhindern oder ihren Verlauf deutlich abmildern. Damit bietet es eine echte Alternative zur Medikamenteneinnahme. Wie das Verfahren funktioniert.

Verantwortlich für die Schmerzentstehung bei einem Migräne-Anfall ist die Erweiterung einer Arterie im Kopf – der Arteria temporalis superficialis. Bei einer Biofeedback-Therapie lernen Patienten, dieser Gefäßerweiterung entgegenzuwirken. „Beherrscht man das Verfahren, ist es möglich, die so genannte Arteria temporalis superficialis willentlich zu verengen, um Schmerzen abzuwehren“, erklärt Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN).

Biofeedback-Prinzip: Messgeräte geben Migräne-Patienten Feedback

Biofeedback zählt zu den Verfahren der Verhaltenstherapie. Das Prinzip: Der Patient lernt mithilfe von elektrischen Messgeräten, normalerweise unbewusst ablaufende Körperzustände wie Anspannung von Muskulatur und Verengung von Blutgefäßen wahrzunehmen. Dazu zeichnen die Messgeräte körperliche Reaktionen wie Muskelspannung, Herzschlag oder Hirnströme auf und wandeln sie in akustische oder visuelle Signale um. „Der Schmerzpatient, der an das System angeschlossen ist, erhält damit eine Rückmeldung über seinen Zustand und kann lernen, diesen aktiv zu verändern“, erläutert Dr. Beil.

Biofeedback wirkt langfristig gegen Migräne

Neuere Empfehlungen zur Behandlung von Kopfschmerzen bewerten die Verfahren der Verhaltenstherapie mittlerweile nicht nur als Ergänzung, sondern auch als Alternative zur medikamentösen Migräneprophylaxe. „Durch die Biofeedback-Therapie sind keine Nebenwirkungen zu erwarten und die positive Effekte des Verfahrens können über Monate anhalten, wenn sie gut beherrscht werden“, ergänzt der Neurologe Dr. Beil. Die Kosten für eine Biofeedback-Therapie werden im Rahmen einer ambulanten Verhaltenstherapie von den Krankenkassen erstattet. Dies ist auch der Fall, wenn das Therapieverfahren Baustein einer stationären multimodalen Schmerztherapie ist. Interessenten sollten dennoch vorab mit ihrer Krankenkasse die Kostenfrage klären.

Quelle: Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN)

Mehr Informationen: Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen zur Behandlung der Migräne – Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft.

30.03.2017 | Von: Sandra Göbel; Bild: Image Point Fr/Shutterstock