Gesundheitsthemen

Tocopherol

Synonyme: Vitamin E

Tocopherole und Tocotrienole sind eine große Gruppe ähnlicher Stoffe, die zusammen auch als Vitamin E bezeichnet werden. In jeder der Gruppe wird wiederum zwischen α, β, γ und δ unterschieden. Jede Unterform wirkt im Körper unterschiedlich stark. Um die Moleküle trotzdem miteinander vergleichen zu können, wurden α-Tocopherol-Äquivalente eingeführt. Denn α-Tocopherol ist das wirksamste Molekül und kann deswegen gut als Vergleichswert herangezogen werden. Β-, γ- und δ-Tocopherol müssen, um die gleiche Wirkung zu erreichen, in höherer Menge aufgenommen werden. Im Körper haben sie jedoch alle die gleiche Aufgabe: Sie sind wichtiger Teil eines komplizierten Systems, das oxidativen Stress im Körper bekämpft. Der entsteht in jedem Körper. Ohne Gegenspieler würde er jedoch auf Dauer die Körperzellen angreifen. Und in der Folge Blutgefäße, Augen, Nervensystem oder Muskulatur schädigen. Dann drohen zum Beispiel Atherosklerose, ein Herzinfarkt oder sogar Krebs. Außerdem reguliert Tocopherol den Zellstoffwechsel und einzelne Gene und schützt den Körper so zusätzlich vor Krankheiten. Viele der Wirkmechanismen sind jedoch noch gar nicht geklärt und werden noch erforscht.

Vorkommen von Tocopherol

Tocopherol wird nur von Pflanzen produziert. Über die Nahrung nehmen aber auch Tiere das Vitamin auf, sodass es fast in allen Nahrungsmitteln vorkommt. Besonders reich an Vitamin E sind Samen, Keime und Nüsse oder auch Pflanzenöle. Zur Orientierung der Vitamin-E-Gehalt einiger Nahrungsmittel in α-Tocopherol-Äquivalenten:

  • Leinsamen: 57 Milligramm/100 Gramm
  • Sonnenblumensamen: 21 Milligramm/100 Gramm
  • Sonnenblumenöl: 50 Milligramm/100 Gramm
  • Mandeln: 25 Milligramm/100 Gramm
  • Butter: 2 Milligramm/100 Gramm
  • Hering: 1,5 Milligramm/100 Gramm

Das fettlösliche Vitamin E kommt in größeren Mengen in Pflanzenölen vor. Kaltgepresste Öle sollten kühl, lichtgeschützt und trocken in einer fest verschlossenen Flasche gelagert werden. So sind sie einige Wochen bis Monate haltbar.
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Bedarf an Tocopherol

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt je nach Alter und Geschlecht folgende Richtwerte für die tägliche Vitamin-E-Zufuhr:

  • Säuglinge (0–12 Monate): 3–4 Milligramm α-Tocopherol-Äquivalent
  • Kinder (1–15 Jahre): 5–14 Milligramm α-Tocopherol-Äquivalent
  • Jugendliche und Erwachsene (ab 15 Jahren): 12–15 Milligramm α-Tocopherol-Äquivalent
  • Schwangere: 13 Milligramm α-Tocopherol-Äquivalent
  • Stillende: 17 Milligramm α-Tocopherol-Äquivalent

Anzeichen einesTocopherol-Mangels

Ist zu wenig Vitamin E im Körper, werden die Zellen durch den oxidativen Stress angegriffen und geschädigt. Im Extremfall und falls der Mangel sehr lange besteht, werden Muskeln, Nervensystem und die Leber geschädigt. Dann treten Mangelsymptome auf: Die Muskeln verlieren an Kraft und Größe und es kommt zu Blutarmut.

Gesunde müssen sich meist keine Sorge um ihre Vitamin-E-Versorgung machen. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Nüssen und Saaten reicht zur Bedarfsdeckung vollkommen aus.

Risikogruppen für einen Tocopherol-Mangel:

  • Menschen mit gestörter Fettverdauung, wie sie bei Darm-, Bauchspeicheldrüsen- oder Gallenblasenerkrankungen vorkommt, nehmen Vitamin E aus der Nahrung nur schwer auf.
  • Menschen, die an einer Lebererkrankung leiden, haben in einigen Fällen nur eine geringe Speicherkapazität für Vitamin E und sind deshalb häufig von einem Mangel betroffen.
  • Neugeborene nehmen Vitamin E nur schlecht auf und haben bei der Geburt nur kleine Reserven.
  • Menschen mit einem hohen Alkoholkonsum.
  • Menschen mit einer seltenen Fettstoffwechselstörung, der A-β-Lipoproteinamie


Tocopherol als Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin E eignen sich für Menschen, die zur Risikogruppe gehören oder Anzeichen eines Vitamin-E-Mangels zeigen. Auch Erkrankungen wie zystische Fibrose oder Sichelzellanämie werden zusätzlich mit Vitamin E behandelt. Um Wechselwirkungen mit Medikamenten auszuschließen und eine ausreichende Versorgung sicherzustellen, wird die Therapie am besten mit der Ärzt*in oder Apotheker*in abgesprochen.
Studien liefern jedoch auch immer wieder Hinweise, dass eine erhöhte Vitamin-E-Aufnahme auch Menschen ohne einen Mangel vor einigen Krankheiten schützen könnte, etwa Krebs oder Herz-Kreislauf-Krankheiten. Gesicherte Daten liegen dazu aber nicht vor.

Vitamin E entfaltet seine Wirkung gegen oxidativen Stress nur zusammen mit anderen Molekülen. Dazu gehören zum Beispiel Vitamin C oder ß-Carotin, eine Vitamin-A-Vorstufe. Nahrungsergänzungsmittel, die nur Vitamin E enthalten, sind deshalb eher ungeeignet. Wer sicher gehen will, greift deshalb lieber auf Nährstoffkombinationen zurück.

Überversorgung mit Tocopherol

Eine Überversorgung mit Tocopherol tritt nur selten bei einer dauerhaften, hochdosierten Aufnahme von Vitamin-E-Präparaten auf. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt deshalb, nicht mehr als 30 Milligramm Vitamin E pro Tag einzunehmen. Kritisch wird es bei Dosen von 800 Milligramm Vitamin E: Dann funktioniert die Blutgerinnung nicht mehr richtig. Wichtig ist das vor allem für Menschen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen oder bald operiert werden.

Quellen: Verbraucherzentrale; Elmadfa und Leitzmann: Ernährung des Menschen. Eugen Ulmer Verlag, 2019; Leizmann: Ernährung in Prävention und Therapie, Hippokrates-Verlag, 2003

Von: Julia Schmidt

Nahrungsergänzung im Blick: Selen

Sinn oder Unsinn?

Nahrungsergänzungsmittel mit Selen werden oft als Wundermittel für schöne Haare und Nägel beworben. Doch der Nährstoff hat noch viel mehr zu bieten.

Mehr als schöne Haare

Selen gehört zu den Spurenelementen. Das heißt, dass der Körper nur sehr geringe Mengen davon benötigt. Doch auch diese kleinen Mengen haben einen großen Effekt auf den Körper: Selen hilft dem Körper im Kampf gegen oxidativen Stress, unterstützt die Schilddrüse und das Immunsystem und beim Mann auch die Bildung von Spermien. Einige Studien zeigen sogar, dass Selen vor Krebs schützt. Allerdings sind die Vermutungen noch nicht eindeutig bewiesen.

Viele Unklarheiten und starke Schwankungen

Wie viel Selen der Körper jeden Tag benötigt, ist noch nicht eindeutig geklärt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt deshalb nur Schätzwerte für den täglichen Bedarf an. Wer sich ausgewogen ernährt und gesund ist, braucht sich aber keine Sorgen um die Selen-Aufnahme zu machen. Wer mehr Selen aufnehmen möchte, dem hilft diese Faustregel: Proteinreiche und tierische Lebensmittel enthalten mehr Selen als zum Beispiel Obst und Gemüse. Doch nicht nur Fleisch und Fisch, auch pflanzliche Proteinquellen, wie Hülsenfrüchte und Nüsse versorgen den Körper mit dem Spurenelement.

Veganer*innen aufgepasst

Ein Selen-Mangel kommt nur in Ausnahmefällen und bei sehr einseitiger Ernährung vor. Auch Veganer*innen sowie Menschen mit chronischen Darmerkrankungen oder einer Alkoholsucht müssen aufpassen. Sie achten am besten auf die ersten Anzeichen eines Selenmangels, etwa weiße Flecken auf den Nägeln und Haarausfall. In diesem Fall hilft die Hausärzt*in weiter.

Um einen Mangel zu vermeiden, wird den Risikogruppen empfohlen, ganz bewusst viele selenhaltige Nahrungsmittel in den Speiseplan zu integrieren. Auch selenhaltige Nahrungsergänzungsmittel helfen, den Bedarf zu decken. Doch Vorsicht: Mehr als 300 µg Selen sollten die Produkte nicht enthalten. Zu viel Selen schädigt nämlich die Leber und das Herz. Von den Betroffenen wird die Überdosierung meist zuerst an Haarausfall, Gelenkschmerzen, Müdigkeit und Übelkeit bemerkt.

Quellen: Verbraucherzentrale, DGE Referenzwerte und FAQ, Elmadfa und Leitzmann: Ernährung des Menschen, 6. Auflage, utb, 2019

16.07.2021 | Von: Marie Schläfer; Bild: Evan Lorne/Shutterstock.com