Gesundheitsthemen

Schnarchen

Primäres Schnarchen (Rhonchopathie): Regelmäßige Geräusche, die in den oberen Atemwegen durch Flattern der tief entspannten Rachenmuskulatur entstehen und nicht Folgeerscheinung einer Schlafapnoe oder einer anderen Atemwegserkrankung sind. Atmung und Herz-Kreislauf-System sind nicht krankhaft beeinträchtigt, und in der Regel wird auch die Schlafqualität nicht nennenswert beeinflusst. (Bewusste) Leitsymptome sind Aufwachen durch das eigene Schnarchen und morgendliche Mundtrockenheit.

Abgegrenzt wird von manchen Autoren das obstruktive Schnarchen oder Oberes-Atemwegsresistenz-Syndrom. Hier sind die Schnarchepisoden von größerer Lautstärke, treten jede Nacht auf und sorgen für einen insgesamt unruhigen Schlaf. Sie können sogar tagsüber auftreten. Die Übergänge zum primären Schnarchen einerseits und zur Schlafapnoe andererseits sind aber fließend, weshalb unklar ist, ob das obstruktive Schnarchen eine eigene Erkrankung darstellt. Die Behandlung folgt den hier beim primären Schnarchen geschilderten Prinzipien.

Leitbeschwerden

  • Gelegentliche Schnarchepisoden bzw. -perioden mittlerer Lautstärke vor allem in Rückenlage, gehäuft bei Erkältungen und nach Alkoholgenuss
  • Die Atmung bleibt regelmäßig (im Gegensatz zum OSAS)
  • Der Schlaf bleibt insgesamt ruhig und erholsam, eventuell wacht der Schlafende manchmal vom eigenen Schnarchen auf.

Die Erkrankung

Das primäre Schnarchen ist sehr häufig; mindestens 40 % der Männer über 40 sind davon betroffen; bei Frauen ist der Anteil geringer. Der Prozentsatz steigt weiter mit dem Alter und wenn Übergewicht hinzukommt. Bei den meisten Betroffenen tritt das Schnarchen nicht ständig auf, sondern wird von folgenden Bedingungen beeinflusst:

  • Körperlage: Rückenlage begünstigt das Schnarchen, da der Unterkiefer des auf dem Rücken Schlafenden nicht gestützt ist und er durch den geöffneten Mund atmet.
  • Alkoholkonsum und Einnahme von Schlafmitteln und Psychopharmaka: Alle drei Faktoren verstärken die Erschlaffung des Gaumensegels im Schlaf und fördern somit das Schnarchen.
  • Mandelvergrößerung
  • Verkrümmungen der Nasenscheidewand oder Polypen (vor allem bei Kindern).

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung.

Am besten beginnt der Betroffene schon vor der ersten ärztlichen Beratung ein Schlafprotokoll zu führen. Darin werden über 3–4 Wochen die Zeitpunkte des Zubettgehens, des Einschlafens und des Aufwachens genau eingetragen. Zudem werden im Protokoll die Tagesaktivitäten erfasst, z. B. wie viel körperliche Bewegung man hatte, ob es berufliche oder private Stresssituationen gab oder ob Geschlechtsverkehr ausgeübt wurde. Wer von sich weiß, dass er schnarcht, sollte den Partner fragen, in welchen Nächten das Schnarchen stark und wann es eher schwächer war.

Schlafanamnese

Der Arzt fragt in der Schlafanamnese

Etliche Medikamente erzeugen Schlafprobleme, auch wenn diese auf dem Beipackzettel nicht ausdrücklich erwähnt werden. Deshalb sollte die Frage nach der Medikamenteneinnahme vollständig beantwortet werden.

Spezielle Diagnostik

Schlaflabor. Wenn sich die Ursachen für primäres Schnarchen auf Grund der Schlafanamnese nicht finden lassen, kann eine Untersuchung im Schlaflabor (Polysomnografie) helfen. Das Schlaflabor ist im Prinzip ein technisch aufgerüstetes Schlafzimmer. Der Patient wird per Kabel mit entsprechenden Aufzeichnungsgeräten verbunden, sodass Gehirnströme (wie beim EEG), Augenbewegungen und Muskelspannung messbar werden. Ein EKG gibt Auskunft über den Herzrhythmus. Außerdem werden die Nasenatmung, die Brustkorbbewegungen und die Sauerstoffkonzentration im Blut gemessen. Auch die Bewegungen der Beine und die jeweiligen Körperpositionen im Bett werden aufgezeichnet. Trotz all dieser technischen Vorrichtungen können die meisten Patienten wider Erwarten im Schlaflabor nach einer Eingewöhnungsphase schlafen.

Screening schlafbezogener Atmungsstörungen. Eine weitere Standarduntersuchung in der Schlafmedizin zielt auf schlafbezogene Atmungsstörungen. Der Patient erhält vom Schlafmediziner ein Messgerät, mit dem er wie gewohnt zu Hause schlafen kann. Beim Screening schlafbezogener Atmungsstörungen wird folgendes aufgezeichnet:

  • Der Luftfluss an Mund und Nase, mithilfe eines Temperaturfühlers
  • Eventuelle Schnarchgeräusche, mithilfe eines am Hals befestigten Mikrofons
  • Der Herzschlag
  • Die Sauerstoffsättigung, mithilfe eines Clips am Finger
  • Die Körperlage, mithilfe eines Aktigrafen, der am Bein befestigt wird und alle Körperbewegungen aufzeichnet.

Objektive Schlafprofilanalyse. Ein weiteres Messgerät, das zu Hause eingesetzt werden kann, erfasst über eine Stirnelektrode den Wach- und Schlafrhythmus. Der Arzt wertet die Daten per Computer aus und erstellt ein objektives Schlafprofil. Das Gerät eignet sich für Patienten, bei denen eine komplette Schlaflaboruntersuchung zunächst nicht erforderlich ist, der Arzt für eine weitergehende Diagnose aber trotzdem eine objektive Messung des Nachtschlafs benötigt.

Erster Schritt ist die Beratung und die Diskussion der im Abschnitt Selbsthilfe aufgeführten und im Einzelfall sinnvollen Maßnahmen. Ist dies nicht ausreichend, kommen chirurgische Maßnahmen in Betracht:

  • Der Gaumen und die Rachenschleimhaut können gestrafft und das Zäpfchen und die Gaumenmandeln weitgehend entfernt werden (Uvula-Palato-Pharyngo-Plastik, UPPP).
  • Schonender ist die Entfernung von Teilen des Gaumens und des Zäpfchens durch die Verwendung eines Lasers (Laser-assistierte Uvula-Palato-Plastik, LAUP).
  • Ein neueres Verfahren ist die Radiofrequenztherapie. Dabei wird mit Nadeln in das Rachengewebe eingestochen und durch Radiofrequenzenergie das Gewebe koaguliert (zum Verkochen gebracht). Das entstehende Narbengewebe strafft und stabilisiert das Gewebe und reduziert damit das Schnarchen.
  • Des Weiteren können die Mandeln entfernt werden (Tonsillektomie). Bei Erwachsenen ist dieser Eingriff zwar harmlos; stärkere Nachblutungen sind aber möglich.
  • Bei Nasenscheidewandverkrümmungen wird die Nasenscheidewand begradigt; gegebenenfalls werden auch die Nasenmuscheln verkleinert.
  • Verschlimmern chronische Kieferhöhlen- und/oder Nasennebenhöhlenentzündungen das Schnarchen, werden diese mit Antibiotika, Kieferhöhlenspülungen und gegebenenfalls entsprechenden Operationen behoben.

Die Frage, ob ein chirurgischer Eingriff den gewünschten Erfolg bringen wird, ist berechtigt – viel hängt von der richtigen Einschätzung der Befunde, von der Art des Eingriffs, aber auch von der Erfahrung des Operateurs ab.

Selbsthilfe

Verhaltensänderungen sind wirksam und senken die Schnarchfrequenz, die Häufigkeit des Schnarchens also, fast immer deutlich. Dazu zählen:

Änderung der Schlafposition. Kopftieflage und Rückenlage sollten vermieden werden. Ersteres kann erreicht werden, indem der Kopf durch Spezialkissen auch im Schlaf hochgelagert bleibt. Die Rückenlage zu vermeiden ist schwieriger. Immer wieder wird sogar das Einnähen von Tennisbällen in das Rückenteil des Schlafanzuges oder das Tragen eines mit Handtüchern gefüllten Rucksacks empfohlen. Beides macht die nächtliche Rückenlage unangenehm oder schmerzhaft, und der Schläfer wird sie unbewusst umgehen; ob es seiner Schlaftiefe förderlich ist, sei dahingestellt. Manche Menschen schaffen es auch durch Willenskraft, die Rückenlage nachts immer wieder zu korrigieren.

Alkohol und Medikamente. Ab dem späten Nachmittag sollte keinerlei Alkohol mehr getrunken werden. Auch Schlaf- und Beruhigungsmittel fördern das Schnarchen und sollten nur in dringenden Fällen eingenommen werden.

Übergewicht. Da sich überschüssiges Fett auch im Rachenbereich ablagert und die Atmung behindert, sollte bei Übergewicht das Gewicht reduziert werden.

Hausstaubmilben. Besteht eine Hausstaubmilben- oder Bettfedernallergie, muss auf synthetische antiallergische Ober- und Füllungsmaterialien, ausgewichen werden, weil durch die allergische Reaktion die Nasenatmung behindert wird.

Schlafzeiten. Insbesonders „durchzechte“ Nächte fördern das Schnarchen im anschließenden Schlaf.

Schnarchbandagen oder Schnarchbinden halten mit einem elastischen Gurt den Kiefer geschlossen. Sie sind in Apotheken und Sanitätshäusern erhältlich.

Protrusionsschienen fixieren den Unterkiefer im Schlaf in einer festen Lage, sodass die Zunge nicht zurückfallen und die Atemwege blockieren kann. Die meisten Patienten kommen damit erstaunlich gut zurecht; ~ 75 % der Anwender erreichen damit Schnarchreduktion.

Elektronische Schnarchapparate wecken den Schläfer, sobald er schnarcht. Da sie die Ursachen des Schnarchens jedoch nicht beeinflussen, ist davon abzuraten.

Von: Dr. Bernadette Andre-Wallis, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski

Hunde verschlafen den halben Tag, doch Menschen sollten ihr Nickerchen besser kurz halten.

Das Geheimnis des Mittagsschlafs

Nutzen oder Schaden?

Vielen schwören auf den Mittagsschlaf. Manche behaupten sogar, dass das mittägliche Nickerchen die Produktivität erhöht. Doch aktuell wird der Mittagsschlaf auch mit negativen Folgen wie einem erhöhten Schlaganfallrisiko assoziiert. Was stimmt denn nun?

Konzentration und Kreativität steigen

Ob Spanien, Japan oder Kalifornien: Die Siesta am Mittag ist in vielen Ländern Teil der Arbeitskultur. Sie soll die Konzentration verbessern und die Kreativität steigern. Letzteres wurde tatsächlich in einer französischen Studie nachgewiesen. Doch damit die Ideen richtig sprudeln, darf nur sehr kurz geschlafen werden. US-amerikanischer Wissenschaftler*innen haben zudem herausgefunden, dass sich der Mittagsschlaf vor allem bei Teenagern positiv auf Lernverhalten und Konzentration auswirkt.

Besser nicht jeden Tag

In der Kürze liegt auch beim Mittagsschlafdie Würze, wenn es um die Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen geht – so das Ergebnis einer griechischen Studie. Schweizer Forscher*innen grenzen das allerdings ein wenig ein: Sie haben herausgefunden, dass der positive Herz-Kreislauf-Effekt nur eintritt, wenn man den kurzen Mittagsschlaf nicht öfter als ein- bis zweimal pro Woche einlegt.

Die Schattenseiten des Nickerchens

Demgegenüber stehen allerdings Studienergebnisse, die dem Mittagsschlaf wenig Nutzen oder sogar Schaden attestieren. Eine aktuelle Studie will herausgefunden haben, dass das tägliche Nickerchen das Risiko für Bluthochdruck und Schlaganfall erhöht. Außerdem soll das vermehrte Bedürfnis nach einem Mittagsschlaf ein Hinweis für die Entwicklung einer Demenz sein.

Doch unabhängig davon, was ein Mittagsschlaf bewirken soll - offenbar gibt es Personengruppen, die das Nickerchen durchaus brauchen. Dazu gehören z.B. diejenigen, die sehr früh aufstehen müssen. Außerdem benötigen manche Menschen genetisch bedingt mehr Schlaf als andere und legen sich deshalb tagsüber aufs Ohr.

Kleiner Trick verstärkt den Frische-Effekt

Ganz allgemein raten Forscher*innen dazu, das Schläfchen nicht zu spät am Tag zu halten. Außerdem sollte man nicht mehr als 20 bis 30 Minuten schlummern, damit man nicht in den REM-Schlaf fällt und sich nach dem Aufwachen zerschlagener fühlt als vorher.

Um den erfrischenden Effekt des Mittagsschlafs zu steigern, gibt es zudem einen Trick: Vor dem Hinlegen einen Kaffee trinken und den Wecker auf 20 Minuten stellen. Dann wacht man mit dem Klingeln genau dann auf, wenn im Körper das Koffein aktiv wird.

Quelle: ptaheute

28.09.2022 | Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: DimaBerlin/shutterstock.com