Gesundheitsthemen

HIV-Infektion und AIDS

AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome, erworbenes Immunschwächesyndrom): Durch das HIV (Humanes-Immundefizienz-Virus, HI-Virus) hervorgerufene, bislang unheilbare Infektionskrankheit mit vorwiegendem Befall der Abwehrzellen. Durch die zunehmende Abwehrschwäche kommt es zu immer häufigeren und immer schwereren Infektionen, auch durch ansonsten harmlose Erreger. In Deutschland infizieren sich ca. 2 500 Menschen jährlich (in Österreich unter 500), vor allem durch (ungeschützten) Geschlechtsverkehr. Weltweit zählt man rund 6 000 AIDS-Tote pro Tag, in armen Regionen vor allem Afrikas ist AIDS mittlerweile die häufigste Todesursache der unter 50-Jährigen (Zahlen Stand Ende 2007).

Leitbeschwerden

  • Meist über Jahre keine Beschwerden (trotz Ansteckungsfähigkeit)
  • Möglicherweise kurzzeitige „grippeartige“ Symptome kurze Zeit nach der Ansteckung
  • Erst nach Jahren langsam zunehmende Beschwerden, anfangs v. a. Pilzinfektionen (vorwiegend von Mund, Rachen und Genitalien), Fieber und länger anhaltende Durchfälle.

Die Erkrankung

Die Anfang der 1980er Jahre erstmals beschriebene, erworbene Immunschwächekrankheit AIDS wird durch eine Infektion mit dem HI-Virus verursacht. Das Virus wird prinzipiell mit allen Körperflüssigkeiten ausgeschieden, vor allem aber mit Blut, Sperma, Scheidensekret und Muttermilch (Hauptübertragungswege unten). Durch kleinste Haut- und Schleimhautverletzungen dringt das Virus in den Körper ein und zerstört vor allem Abwehrzellen, die das CD4-Molekül auf ihrer Oberfläche tragen. Hierzu gehören besonders die T-Helferzellen, eine Untergruppe der T-Lymphozyten, die andere Abwehrzellen aktiviert.

Die Viren vermehren sich schon bald nach der Infektion kräftig, die meisten Infizierten merken aber oft lange überhaupt nichts. In dieser Phase spricht man von HIV-Infektion. Nur bei ungefähr der Hälfte der Infizierten zeigen sich 1–6 Wochen nach der Infektion kurzzeitige Beschwerden, die denen einer Grippe, einer Halsentzündung oder eines Pfeifferschen Drüsenfiebers ähneln (akute HIV-Infektion).

Als Erstes bemerkt der Betroffene meist länger dauernde Lymphknotenschwellungen. Es folgen uncharakteristische Beschwerden wie allgemeine Schwäche, wiederholtes Fieber oder häufige und länger anhaltende Durchfälle. Schließlich kommt es immer öfter zu immer schwereren Infektionen. Da auch die Abwehr von Tumorzellen beeinträchtigt ist, treten Tumoren gehäuft auf, vor allem maligne Lymphome und Kaposi-Sarkome, die sich meist als rotbraune Flecke und Knoten auf der Haut und den Schleimhäuten zeigen. Viele Kranke magern immer mehr ab (Wasting-Syndrom). Last not least kann das HIV auch das Gehirn befallen. Erst wenn solche typischen Erkrankungen vorliegen, spricht man von AIDS.

Besondere Infektionen. Infolge der hochgradigen Abwehrschwäche können bei AIDS-Patienten Infektionserreger „angehen“, die für Abwehrgesunde keine Gefahr darstellen. Eine der AIDS-definierenden Infektionen ist eine Lungenentzündung durch Pneumocystis jiroveci (früher Pneumocystis carnii), einen weit verbreiteten Einzeller, der zu den Pilzen gehört. Auch eine Gehirnentzündung durch Toxoplasmen und schwerste Zytomegalie-Erkrankungen mit Augen- und Gehirnbeteiligung sind kennzeichnend für AIDS.

Hauptübertragungswege der Toxoplasmose-Infektion sind Katzenkot (Katzentoilette!) und rohes Fleisch. Menschen mit einem gesunden Immunsystem merken in aller Regel von der Infektion nichts. Infiziert sich aber eine HIV-positive Person, kommt es je nach Abwehrlage zu Beschwerden bis hin zur gefährlichen Hirnhaut- und Gehirnentzündung. Auch in der Schwangerschaft ist eine Toxoplasmose-Infektion gefährlich: für das ungeborene Kind, bei dem die parasitischen Einzeller vor allem Auge und Gehirn schädigen.

Ähnlich verhält es sich mit der Zytomegalie-Infektion (CMV-Infektion). Nur bei Abwehrschwäche treten teils schwere Lungen- und Leberentzündungen sowie nach Transplantationen Abstoßungsreaktionen auf. Schwerste Verläufe mit Augen- und Gehirnbeteiligung drohen vor allem AIDS-Kranken. Auch bei der Zytomegalie ist bei einer frischen Infektion der Schwangeren das Ungeborene gefährdet: Es besteht das Risiko vor allem bleibender Seh-, Hör- und Gehirnschäden.

Das macht der Arzt

Ab 3 Wochen bis 3 Monate nach der Infektion bildet der Organismus Antikörper gegen das HI-Virus, auf deren Nachweis alle gängigen AIDS-Tests basieren. Dies erklärt auch, weshalb nach einem möglicherweise „gefährlichen“ Kontakt erst nach einem Vierteljahr Sicherheit möglich ist. Zum Nachweis einer HIV-Infektion wird ein Suchtest (ELISA-Test) durchgeführt, bei positivem Ausfall ein Bestätigungstest angeschlossen. Der direkte Nachweis viralen Erbguts ist möglich, wird aber nur für spezielle Fragestellungen durchgeführt.

AIDS-Tests dürfen in Deutschland nur mit Einverständnis des Betroffenen durchgeführt und nicht „heimlich“ vom Arzt angeordnet werden. Bei der Frage der Anonymität ist die Sachlage unterschiedlich: In Praxen und Krankenhäusern bzw. ihren Ambulanzen sind anonyme Tests nicht möglich (das Personal unterliegt aber der ärztlichen Schweigepflicht), dafür gibt es Test, Beratung und Behandlung „aus einer Hand“. In Gesundheitsämtern können AIDS-Tests tatsächlich anonym durchgeführt werden.

In den Industrieländern stehen heute eine Reihe antiretroviraler Medikamente zur Verfügung, die das HI-Virus viele Jahre in Schach halten, bislang aber nicht ausrotten können. Die Behandlung, ihre Kontrollen und ihre Steuerung sind hochkompliziert und ändern sich schneller, als ein Buch gedruckt, geschweige denn neu bearbeitet werden kann. Topaktuell findet sich alles zum Beispiel unter www.hiv.net.

Vorsorge

Einer der Hauptübertragungswege des HI-Virus sind sexuelle Kontakte. Entsprechend ist eine der wichtigsten Vorsorgemöglichkeiten das Kondom, das zudem vor Hepatitis B und C sowie den „klassischen“ Geschlechtskrankheiten schützt.

Zweiter Hauptübertragungsweg ist Blut. 1 500–2 000 Bluterkranke haben sich beispielsweise in Deutschland in den 1980er Jahren durch Blutprodukte wie Bluttransfusionen mit dem HIV infiziert. Das Risiko durch Blutprodukte hierzulande ist mittlerweile minimal, in ärmeren Ländern ist es nach wie vor real (weshalb man z. B. bei Reisen in entsprechende Länder Einmalspritzen mitnehmen sollte).

Wo man sich nicht mit HIV ansteckt

Dass von Türklinken, Lichtschaltern, Händeschütteln, Umarmen und öffentlichen Schwimmbädern keine Gefahr ausgeht, ist mittlerweile wohl den meisten bekannt. Bei der Frage nach der gemeinsamen Benutzung von Besteck, Geschirr, Wäsche und Toiletten fühlen sich viele Laien schon unsicherer. Auch hier droht aber definitiv keine Infektion. Und wenn der Nachbar in der S-Bahn hustet und niest, fängt man sich vielleicht eine Grippe ein, aber nicht AIDS.

Eine Infektion ist selbst bei Hautkontakt zu den „theoretisch virushaltigen“ Körperflüssigkeiten Speichel, Schweiß und Tränen ausgeschlossen. Ob Schweißtropfen in der Sauna oder im Fitnessstudio oder Tränen im Kindergarten – panikartiges Zur-Seite-Springen oder der Griff nach einem Desinfektionsmittel sind überflüssig. Und ob man Freundschaftsküsse auf die Wange mag oder nicht, ist Ansichtssache – eine Frage des AIDS-Schutzes sind sie nicht. Küsse auf den geschlossenen Mund sind ebenfalls ungefährlich. Ab hier wird es dann allerdings langsam gefährlich: Denn obwohl erst eine (!) Übertragung durch Zungenkuss gesichert ist, raten Mediziner wie Selbsthilfegruppen bei einem HIV-infizierten Partner davon ab, da kleine Verletzungen im Mund nie auszuschließen sind.

Weiterführende Informationen

  • www.hiv.net – Private Internetseite mit kommerzieller Unterstützung, die sich primär an Mediziner richtet, aber über weite Teile auch für Laien verständliche Informationen zur HIV-Infektion und zu AIDS bietet, u. a. mit einem kompletten, jährlich aktualisierten Lehrbuch und monatlich neuen Informationen zu AIDS-Medikamenten.
  • www.aidshilfe.de – Internetseite der Deutschen AIDS-Hilfe e. V., Berlin: Umfangreich, mit seriösen Informationen und Broschüren zum Bestellen (Rubrik Materialien) und zum Herunterladen (Suchbegriff Download).

Von: Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski

Vorsicht beim Hunde-Kuss!

Gefährliche Keime

Im Hundemaul hausen massenweise Keime, das ist bekannt. Deshalb sind Hundebisse auch so gefährlich. Weniger bekannt ist: Auch beim Streicheln der Vierbeiner oder beim Abgeleckt-Werden droht Infektionsgefahr.

Harmlos im Hundemaul, gefährlich im Menschen

Die Maulflora eines Hundes ist artenreich. Ein typischer Vertreter ist das Stäbchenbakterium Capnocytophaga canimorsus, das friedlich sowohl in Hunde- als auch in Katzenmäulern lebt. Im Menschen ist das Bakterium leider weniger harmlos. Vor allem bei geschwächtem Immunsystem kann es zu schweren Infektionen mit Sepsis und Hirnhautentzündung führen.

Inzwischen mehren sich die Hinweise, dass der Keim auch Gesunde in Gefahr bringt — und sogar ganz ohne Hundebiss in den Menschen gelangt. So zum Beispiel bei einer 26-jährigen Sportlerin, die mit Verwirrtheit, Kopfschmerzen und Unwohlsein in die Notaufnahme kam. Diagnose: Hirnhautentzündung. Bei der Untersuchung der Hirnflüssigkeit stießen die Ärzt*innen auf Capnocytophaga und behandelten sofort mit einem passenden Antibiotikum. Die Frau hatte Glück und erholte sich wieder.

Streicheln reicht für Infektion

Doch wo hatte sich die junge Frau den Hundekeim eingefangen? Einen eigenen Vierbeiner besaß sie nicht. Allerdings streichelte sie manchmal einen fremden Hund im Fitnesstudio, in dem sie trainierte. Wahrscheinlich war der Keim beim Streicheln über minimale Hautdefekte an der Hand in die Blutbahn der Frau geraten, mutmaßen die Ärzt*innen. Denn Hunde lecken sich häufig und hinterlassen dabei Speichel — und mit ihm auch Bakterien — in ihrem Fell. Möglich ist aber auch, dass der Hund die Frau abgeleckt und die Bakterien so auf ihre Haut übertragen hat.

Ähnliches gilt auch für einen Hundebesitzer, der 2019 an einer Infektion mit Capnocytophaga sogar verstarb. Auch er hatte ein intaktes Immunsystem, auch bei ihm war kein Hundebiss bekannt. Ablecken oder Streicheln hatte offenbar für eine Infektion ausreicht.

So schützt man sich vor Hundekeimen

Zum Glück sind Infektionen mit Capnocytophaga selten. Doch Hunde können auch andere Erreger wie beispielsweise Parasiten übertragen. Deshalb sollten Hundefreunde auf Hygiene achten. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt folgende Tipps:

  • Hände waschen, am besten nach jedem Tierkontakt.
  • Hunde nicht küssen oder mit ins Bett nehmen.
  • Den Hund keinesfalls über das Gesicht oder offene Wunden lecken lassen.
  • Während der Zubereitung von Speisen oder während des Essens den Hund nicht streicheln.
  • Futter- und Trinknapf nach jedem Gebrauch säubern, Wasser regelmäßig wechseln.
  • Hundedecken regelmäßig bei mindestens 60° C waschen.
  • Bei Bisswunden besser den Arzt aufsuchen. Kratzwunden mit antiseptischen Mitteln behandeln.
  • Hunde regelmäßig impfen und entwurmen, erkrankte Tiere von der Tierärzt*in behandeln lassen.
  • Fremde Hunde am besten gar nicht anfassen.

Quellen: Springer Medizin, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

09.12.2020 | Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: New Africa/Shutterstock.com